Kultur der Wertschätzung

Eine kleine Anekdote zu Beginn:

Gestern fuhr ich mal wieder mit dem Rad durch die Innenstadt. Normalerweise ist das neben der wohltuenden Bewegung auch mit einigem Stress verbunden, weil es mir in der Großstadt einen enormen Fokus abverlangt, von A nach B zu kommen, ohne Schaden davon zu tragen oder anzurichten.

Eine kurze Interaktion löste diesen Stress gestern auf. Sie war ebenso simpel wie berührend. An einer Haltestelle stoppte ich, um auf die ein- und aussteigenden Passagiere eines Busses zu warten. Natürlich ist das Teil der Straßenverkehrsordnung. Scheinbar war mein Einhalten dieser aber außergewöhnlich genug für eine der einsteigenden, dass sie sich eine Sekunde nahm, mir zulächelte und sich bei mir bedankte.

Auch wenn es nur ein kurzer Augenblick war, schaffte er eine positive Bezogenheit, die mich unmittelbar entspannte und meine Stimmung merklich hob.


Im Beitrag zum Thema (Un-)Zufriedenheit habe ich davon berichtet, wie Dankbarkeit, auch für kleine oder selbstverständlich scheinende Momente, einen wesentlichen Einfluss auf das Glücksempfinden haben kann. Heute möchte ich dafür plädieren, diese auch in Beziehung zu bringen.

Das heißt nicht, dass du dir nun krampfhaft überlegen solltest, wem du alles dankbar sein müsstest. Auch hier liegt der Schlüssel für die Wirksamkeit in der Authentizität. Aber wenn du jemandem für etwas dankbar bist: Trau dich und sag es! Du wirst vielleicht überrascht sein, welchen Effekt ein paar einfache, aufrichtige Worte des Dankes in täglichen Beziehungen vollbringen. Auch wenn es nur die Fahrradfahrerin an der Haltestelle ist – es schafft eine Kultur gegenseitiger Wahrnehmung und Wertschätzung.

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