(Un-)Zufriedenheit

Vielleicht hast du in den letzten Monaten viel darüber nachgedacht, was dir fehlt oder hast andere darüber klagen hören. Zweifelsohne haben wir alle Einschränkungen erfahren, die uns teilweise erst bewusst gemacht haben, was wir vorher für selbstverständlich hielten. Vielleicht hast du bemerkt, dass dieses Bewusstsein etwas in dir auslöst. Wie so oft gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille. Ich spreche vom Mangel- bzw. Füllebewusstsein.

 

Heute beschreibe ich diese beiden Perspektiven und gebe dir eine kurze praktische Anleitung dazu, wie du zu mehr Zufriedenheit gelangen kannst.

 

Durch unsere Sozialisierung bringen wir alle eine gewisse Neigung mit, das Glas entweder als halb leer oder voll zu sehen. Wenn du dich bspw. eindringlich daran erinnerst, dass deine Eltern jeden Pfennig drei Mal umdrehen mussten, könnte es sein, dass du auch eher geneigt bist, aus einem Mangelbewusstsein heraus wahrzunehmen und zu agieren. In diesem Fall kann es bspw. schwer fallen, Geld mit Genuss auszugeben, auch wenn das objektiv keinerlei finanzielles Risiko für dich bedeuten würde. Auf emotionaler Ebene kann eine frühe Mangelerfahrung dazu führen, dass es im Erwachsenenalter „nie genug“ sein kann. Im Gegenzug werden Menschen, die all die Liebe und Zuwendung, ob emotionaler oder finanzieller Natur, genossen haben, die sie brauchten, eher dazu neigen, ein Füllebewusstsein zu entwickeln. Das kann sich bspw. durch integrierte Glaubenssätze wie „Ich habe alles, was ich brauche“ und „Das Leben ist gut zu mir“ oder eine grundsätzlich optimistische Erwartungshaltung zeigen. Hierbei handelt es sich selbstverständlich nur um zwei Pole eines Spektrums und exemplarische Auswirkungen, die individuell ganz andere Formen annehmen können. Vielleicht findest du dich aber in der einen oder anderen Beschreibung wieder oder es regt Gedanken dazu an, welche Tendenzen du bei dir siehst.

 

Es ist wahrscheinlich wenig überraschend, dass ein Mangelbewusstsein nicht selten mit Unzufriedenheit einher geht. Das Spannende ist, dass wir an dieser Stelle die Möglichkeit haben, mit etwas Bewusstheit über unsere persönliche Neigung unsere Zufriedenheit maßgeblich zu beeinflussen. Das Stichwort heißt: Dankbarkeit. Es ist genauso simpel wie wirksam.

 

Nimm dir vor dem Schlafengehen und/ oder nach dem Aufwachen oder während des Zähneputzens zwei Minuten, um darüber nachzudenken, wofür du heute dankbar bist. Natürlich kannst du dir auch mit Punkten aushelfen, die du generell schätzt, aber es ist effektiver nach aktuellen Anlässen zu schauen, für die du dankbar bist, da das eine höhere emotionale Reaktion auslöst.

 

Falls dir spontan nichts einfällt, kannst du verschiedene Lebensbereiche „abgehen“: Gesundheit & Fitness, Familie, Partnerschaft & Freunde, Arbeit, finanzieller Status, Freizeit & Hobbys, Politik & Wirtschaft, etc. Alles, was dich in irgendeiner Art berührt, ist relevant für dich. Scheue dich nicht, objektiv „kleine“ Dinge zu würdigen: auch das Lächeln eines entgegenkommenden Fußgängers oder dass die letzte Klopapierrolle gerade noch gereicht hat, können als Dankbarkeitsanker dienen und dir den Tag versüßen.

 

Natürlich kann es helfen, einmal eine große Liste all der Dinge anzulegen, für die du dankbar bist. Wie beim Sport gilt aber auch bei der Schulung der Bewusstheit: lieber regelmäßig kurze Einheiten, die dir Freude bereiten, als ab und an Power-Einheiten, die einen Kater verursachen.

 

In diesem Sinne, danke ich dir, dass du dir die Zeit genommen hast, diese Zeilen zu lesen und wünsche dir vor allem Zufriedenheit!

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