{"id":401,"date":"2020-04-22T13:04:59","date_gmt":"2020-04-22T11:04:59","guid":{"rendered":"https:\/\/grossesgestalten.de\/?p=401"},"modified":"2020-04-22T13:28:44","modified_gmt":"2020-04-22T11:28:44","slug":"kopf-und-koerper-im-krisenmodus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/grossesgestalten.de\/de\/kopf-und-koerper-im-krisenmodus\/","title":{"rendered":"Kopf und K\u00f6rper im Krisenmodus"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"401\" class=\"elementor elementor-401\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-dd3fd elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"dd3fd\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-503a98d0\" data-id=\"503a98d0\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-31c6743d elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"31c6743d\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color: #3d6b4a; text-align: left;\">Ich h\u00f6re derzeit viele Menschen sagen, sie \u201eschaffen nicht so viel wie sonst\u201c oder, was sie sich vorgenommen h\u00e4tten. Die eine Ebene darin ist, realistisch mit der Steigerung an Anforderungen umzugehen, wie im Beitrag zu <a href=\"https:\/\/grossesgestalten.de\/ueberforderung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00dcberforderung <\/a>beschrieben. Die andere Seite dessen ist, <strong>Empathie f\u00fcr sich und andere darin zu entwickeln, dass wir uns in einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zeit befinden, auf die wir eben v\u00f6llig angemessen au\u00dfergew\u00f6hnlich reagieren.<\/strong> Ohne auf die K\u00f6rperprozesse einzugehen, die dem zugrunde liegen (das k\u00f6nnen andere sehr viel besser), m\u00f6chte ich an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, welche Auswirkungen der derzeitige Krisenmodus auf unsere Wahrnehmung und unser Verhalten haben kann. Ich denke, dass ein grobes Verst\u00e4ndnis dessen eine gute Basis f\u00fcr mehr Mitgef\u00fchl mir selbst und anderen gegen\u00fcber in dieser besonderen Situation bilden kann. An dieser Stelle weise ich darauf hin, dass ich die Zusammenh\u00e4nge bewusst stark vereinfache, um wesentliche Mechanismen verst\u00e4ndlich zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0<\/p>\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color: #3d6b4a; text-align: left;\">Wir erleben derzeit zum ersten Mal seit langem eine Krise, deren Ausl\u00f6ser nicht nur unter normalen Bedingungen unsichtbar und damit schwer zu fassen ist, sondern die auch noch weltweite Folgen nach sich zieht, f\u00fcr die kein direkter Verantwortlicher gefunden werden kann. <strong>Das kann zu einer Solidarisierung und Wahrnehmung als eine Erdbev\u00f6lkerung f\u00fchren, es kann aber auch \u00fcberw\u00e4ltigend wirken und ein Gef\u00fchl von Macht- und Hilflosigkeit hervorrufen.<\/strong> Das muss nicht immer v\u00f6llig bewusst sein. Gerade in der westlichen Gesellschaft sind wir gut darin geschult, unser stabiles Selbstbild aufrecht zu erhalten, das von Eigenbestimmung und Kontrollf\u00e4higkeit gezeichnet ist. Dieses Bild kollidiert aktuell u.a. mit den Ma\u00dfgebungen der Regierung, die uns in beidem einschr\u00e4nken. Die Spannung, die dadurch in uns entsteht, ist kein angenehmes Gef\u00fchl, weswegen wir automatisch versuchen, etwas daran zu \u00e4ndern. Das kann sich darin zeigen, dass wir Kritik gegen\u00fcber den Ma\u00dfnahmen \u00e4u\u00dfern oder darin, dass wir uns auf andere Lebensbereiche konzentrieren, \u00fcber die wir tats\u00e4chlich Kontrolle haben. Nicht umsonst misten gerade viele die eigenen vier W\u00e4nde aus oder renovieren und werkeln, was der Baumarkt her gibt. Sp\u00e4testens, wenn die Wohnung blitzblank, ausger\u00e4umt und renoviert, alle B\u00fccher nach Farben und Autoren sortiert sind und die Steuererkl\u00e4rung gemacht ist, kehrt aber etwas Ruhe\/ Leere ein, die diesen faden Beigeschmack hat. An dieser Stelle ist der Ausgleich \u00fcber ver\u00e4ndertes Verhalten keine schnell verf\u00fcgbare Option mehr. Eine M\u00f6glichkeit ist es, sich dem unangenehmen Gef\u00fchl, das sich auf viele Arten zeigen kann, bspw. als Langeweile, Gereiztheit oder Mattheit, auf die Schliche zu kommen. Normalerweise versuchen wir, die sogenannten \u201enegativen\u201c Emotionen m\u00f6glichst gering zu halten. Wenn wir sie aber weg schieben, tauchen sie meist an Stellen wieder auf, an denen sie uns noch mehr st\u00f6ren als zuvor. Ich vergleiche Gef\u00fchle in diesem Sinne gern mit bockigen Kindern: wenn man sie ignoriert, werden sie meist umso lauter. Insofern k\u00f6nnen die Einschr\u00e4nkungen im Au\u00dfen eine g\u00fcnstige Gelegenheit sein, hin zu sp\u00fcren, was eigentlich gerade in uns passiert. Der erste Schritt kann sein, dass du meine am Anfang gestellte These f\u00fcr dich pr\u00fcfst: <strong>K\u00f6nnte es sein, dass du dich manchmal etwas ohnm\u00e4chtig f\u00fchlst oder als ob du die Kontrolle verlierst?<\/strong> Falls du dem zustimmen kannst oder andere Gef\u00fchle auftauchen, die du eigentlich lieber nicht h\u00e4ttest, kannst du es wie mit dem Bild des Kindes halten, dem du dich liebevoll zuwendest, statt es zu ignorieren: Versuche, <em>Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu haben, dass sich diese Emotion gerade zeigt und dass sie in Anbetracht der Situation angebracht ist.<\/em> Diese <strong>Empathie mit dir kann dazu f\u00fchren, dass sich innerlich etwas beruhigt und vielleicht sogar ver\u00e4ndert.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0<\/p>\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color: #3d6b4a; text-align: left;\">Vielleicht bemerkst auch du aktuell <strong>Ver\u00e4nderungen in deiner Leistungsf\u00e4higkeit<\/strong>, zum Beispiel, dass dein Ged\u00e4chtnis schlechter ist als \u00fcblich oder es dir schwerer f\u00e4llt, dich zu konzentrieren oder zu strukturieren. Auch hier kann es hilfreich sein, nachsichtig mit sich selbst zu sein. Durch die massiven Ver\u00e4nderungen vieler Dinge, die sonst normal und selbstverst\u00e4ndlich w\u00e4ren, ist unser Gehirn gefordert, sich au\u00dferhalb seiner \u00fcblichen Komfortzone zu bewegen. Das ist ungef\u00e4hr so, als w\u00fcrdest du in einem kulturell anders gepr\u00e4gten Land unterwegs sein. Vielleicht hast du auf einer Reise schon einmal festgestellt, dass du abends sehr m\u00fcde warst und das z.B. mit dem Sprechen einer Fremdsprache begr\u00fcndet. <strong>Tats\u00e4chlich leisten wir gerade eine <\/strong>ebenso<strong> gro\u00dfe Anpassungsleistung, da die \u00fcblichen kulturellen Normen nicht mehr gelten<\/strong>: der \u201eangemessene\u201c Abstand zu anderen Personen, \u00fcblicherweise machbare G\u00e4nge im \u00f6ffentlichen Raum, Regeln und Verf\u00fcgbarkeiten sowie die Kommunikation. All das sind Dinge, die wir beinah nebenbei neu lernen und deren kognitiver Aufwand nicht zu untersch\u00e4tzen ist. Hinzu kommt der latente Stress, der durch die Ver\u00e4nderungen des Alltags und die oben beschriebenen Emotionen auf uns wirkt. Dadurch kann es sehr gut sein, dass wir eine k\u00fcrzere Z\u00fcndschnur haben oder versuchen, unser Gef\u00fchl von Kontrolle dadurch wieder zu erlangen, dass wir in Gespr\u00e4chen Recht behalten. Vielleicht hast du dich auch schon gefragt, warum du oder Menschen in deinem Umfeld gerade anders als \u00fcblich (re-)agieren. <em>Anstatt das pers\u00f6nlich zu nehmen oder streng zu urteilen, kannst du schauen, ob eine Portion Mitgef\u00fchl die Situation entspannen kann.<\/em> Damit meine ich <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht<\/span>, der anderen Person zu erkl\u00e4ren, sie sei gerade machtlos. Damit wirst du aller Wahrscheinlichkeit die entgegengesetzte Reaktion von dem erreichen, was du bewirken wolltest (wem wird schon gern gesagt, dass er die Kontrolle verloren hat?). Vielmehr kann du dich<em> innerlich mit deinem Gef\u00fchl von Empathie verbinden und die Situation liebevoll statt kritisch betrachten<\/em>. Ich lade dich dazu ein, diese Strategie auszuprobieren und zu beobachten, was es ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0<\/p>\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color: #3d6b4a; text-align: left;\">Eine weitere Folge dessen, dass sich gerade unsere Umwelt und Wahrnehmung ver\u00e4ndern, kann sein, dass wir alte Normen hinterfragen. Das kann, wie im Eintrag zum Thema <a href=\"https:\/\/grossesgestalten.de\/ueberforderung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00dcberforderung<\/a> beschrieben, wahnsinnig hilfreich sein und gro\u00dfe Potenziale frei setzen! Wenn es um gro\u00dfe Lebensentscheidungen geht, kann es allerdings in Anbetracht der ver\u00e4nderten Wahrnehmung sinnvoll sein, <em>statt der \u00fcblichen einen Nacht lieber eine Woche dar\u00fcber zu schlafen<\/em>. Bekanntlich sind <strong>Entscheidungen, die unter Stress getroffen werden, r\u00fcckblickend nicht immer die besten<\/strong>. Wenn du dich mitf\u00fchlend darin annimmst, dass du gerade im Ausnahmezustand bist, kannst du dir vielleicht etwas zus\u00e4tzliche Zeit schenken, gro\u00dfe Entscheidungen noch einmal zu \u00fcberdenken, bevor du Konsequenzen ziehst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0<\/p>\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color: #3d6b4a; text-align: left;\">Hast du Anregungen oder Ideen dazu, wie du konstruktiv mit dem Krisenmodus umgehst? Ich freue mich \u00fcber eine Mail von dir!<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich h\u00f6re derzeit viele Menschen sagen, sie \u201eschaffen nicht so viel wie sonst\u201c oder, was sie sich vorgenommen h\u00e4tten. Die eine Ebene darin ist, realistisch mit der Steigerung an Anforderungen umzugehen, wie im Beitrag zu \u00dcberforderung beschrieben. 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