Gefühle zeigen leicht gemacht

In der westlichen Gesellschaft ist es nicht selbstverständlich, sich authentisch mit allen Gefühlslagen zu zeigen. Abhängig von der jeweiligen Kultur, die man mit dem aktuellen Gegenüber oder verschiedenen Gruppen pflegt, ist es mehr oder weniger möglich, Emotionen „gefahrlos“ zu teilen. Hinzu kommt, dass die eigenen Erfahrungen in der Herkunftsfamilie und anderen zuvor erlebten sozialen Kontexten unser Empfinden und Verhalten stark beeinflussen. Das ist insofern sinnvoll, als dass wir uns nicht potenziell erneut einer Situation aussetzen, die so oder ähnlich in der Vergangenheit zu Verletzungen geführt hat.

 

Leider bleibt durch die eingeschränkte Kommunikation über Gefühle aber auch eine Menge des Potenzials an Beziehungstiefe und -qualität ungelebt. Das gilt für Beziehungen zwischen Erwachsenen ebenso wie für Beziehungen mit und zwischen Kindern.

 

Durch die oft fehlende Ausdrucksmöglichkeit empfinden wir Gefühle mitunter als störend, ähnlich wie Monster. Eine Ansammlung solch bunter Gefühlsmonster© zog am Rande der Konferenz Focus Empathy 2013 immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich. Auf kleinen und größeren Karten stellen die liebevoll illustrierten Figuren jeweils unterschiedliche Emotionen dar. Ich kam mit der Familie Höch-Corona (was übrigens auch ein weit verbreiteter Name mit wunderschönen Bedeutungen wie „Krone“, „Kranz“ oder „Gebirgszugkette“ ist) ins Gespräch, die neben mannigfaltigen Gefühlsmoster©-Formaten auch verschiedenste Schulungen zu deren Anwendungsmöglichkeiten anbietet. In einem ihrer Seminare lernte ich damals, wie die Karten in Mediationen genutzt werden können, um sich mit eigenen Gefühlen leichter zeigen und die des/r anderen erfassen zu können. Sieben Jahre später lernte ich nun im einstündigen Online-Format, wie Kinder mithilfe der Karten Empathie und kreative Konfliktlösung üben können.

 

An der Methodik begeisterte mich vor allem, dass sie sowohl für die Anwender*innen als auch für die kleinen Nutzer*innen leicht zu lernen und umzusetzen ist. Zudem bietet sie das Potenzial, die gesamte Gruppe einzubeziehen, wenn ein Kind mit seinen Emotionen hadert. Dadurch kann nicht nur Empathie und emotionaler Beistand gelernt werden, sondern auch die Scham des Kindes im Fokus aufgefangen werden, wie eine der Seminarteilnehmerinnen feststellte.

 

Die Gefühlsmonster©-Karten sind mir in den letzten Jahren in verschiedensten Kontexten immer wieder begegnet. In meiner letzten Anstellung habe ich anfänglich gezögert, die kindgerechten Figuren bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen einzusetzen. Ich befürchtete, dass die Kids sie ablehnen würden, weil sie „zu cool“ für die Figuren oder das Sprechen über Gefühle wären. Zum Glück hatte meine Kollegin weniger Bedenken als ich, was sich in Form wunderschöner Eröffnungsrunden, erleichterter Reflexionen und der Integration von Erlebtem auszahlte.

 

Ob für die private oder berufliche Anwendung – ich kann die beherzte Arbeit dieses Berliner
Familienunternehmens nur wärmstens empfehlen*. Meine Hoffnung ist, dass sich ihre Werkzeuge verbreiten, sodass mehr emotionale Wahrnehmung, Kommunikation und damit authentische Beziehung möglich wird.

 

In diesem Sinne: Viel Freude beim Entdecken und Teilen!

 

 

 

 

*Es handelt sich hierbei um eine persönliche Empfehlung, nicht um bezahlte Werbung.

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