Der innere Kritiker

Eine zentrale Figur in der psychologischen Arbeit ist oft „der innere Kritiker“. So wird die Rolle im inneren Team bzw. die innere Stimme bezeichnet, die sich mit negativer Kritik zu Wort meldet. Je nachdem, wie stark diese Stimme ausgeprägt ist, kann sie uns das Leben ziemlich unangenehm machen. Um es mit Ellen Hendriksen zu sagen: „We are each our own worst critic“.

 

Wenn wir allerdings anfangen, diese kritische Stimme auch noch für ihr Dasein zu kritisieren, finden wir uns schnell in einem Teufelskreis der Selbstabwertung wieder.

Wirklich hilfreich ist es hingegen, die Haltung dem oder der inneren Kritiker:in gegenüber zu verändern. Letzten Endes hat die kritische innere Stimme nämlich enormen Wert für uns, wenn wir sie einladen und ihre Fragen ernst nehmen.

 

Dabei macht der Ton die Musik: Wenn ich mich bspw. nach dem Verschlafen frage, warum mir das denn nun schon wieder passieren musste, klingt das im inneren Dialog wahrscheinlich etwas ruppig und eher nach einer rhetorischen Frage. Verändere ich diese Tonlage aber im Sinne einer liebevollen Haltung und bin tatsächlich neugierig auf die Antwort, könnte mir auffallen, dass ich Probleme beim Einschlafen hatte. Wenn ich dieser Entdeckungsreise nun weiter folge und der kritischen Stimme unterstelle, dass sie es eigentlich gut mit mir meint, könnte ich bspw. entdecken, dass ich mich besser um mich und meine Schlafhygiene kümmern könnte.

 

Mit dieser Veränderung der Bewertung der kritischen Stimme können wir sie vom inneren Rohrspatz zum selbstfürsorglichen und zugewandten Anteil verwandeln.

 

Es braucht etwas Übung, um sich bei der inneren Kritik zu ertappen und mentalen Raum, die Sicht auf diese Rolle zu verändern. Ich lade dich herzlich ein, es einfach mal auszuprobieren und zu schauen, was das in dir bewegt.

 

Viel Freude beim Forschen!

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